Pfarrer Ralph Utz arbeitet im Dekanat Coburg als Altenheimseelsorger
„Ich will einfach für die Menschen vor Ort da sein“, beschreibt Ralph Utz seinen Job als Altenheimseelsorger in einem Satz. Doch hinter dieser kurzen Beschreibung steckt ein breites Portfolio an Aufgaben. Seit rund vier Jahren ist der 62-Jährige bereits der Altenheimseelsorger im Dekanat Coburg. Bis dahin war er regulärer Gemeindepfarrer. Nun bietet er Seelsorgespräche an: Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige, Mitarbeitende in den sieben Pflegeheimen im Stadtgebiet Coburg, alle können sich an ihn wenden, wenn der Schuh drückt. „Manchmal besuche ich die Menschen auf Wunsch in ihren Zimmern, oft entwickeln sich aber auch Tür- und Angel-Gespräche“, so Pfarrer Utz. Dazu kommen Fortbildungsangebote, Gottesdienste und Andachten in den Einrichtungen, Gedenkveranstaltungen für Verstorbene, Aussegnungen… „Als ich die Stelle übernommen habe, habe ich mich auch in das Thema psychosoziale Notfallversorgung eingearbeitet. Vor allem für Angehörige, die sich vom Sterben der Oma oder des Vaters überrollt fühlen, ist das wichtig.“
Einsamkeit ist ein großes Thema in der Altenheimseelsorge. Schon vor dem Einzug in eine Einrichtung, so der Pfarrer, seien ältere Menschen oft einsam. „Die Angehörigen wohnen weit weg, Partner und Freunde sterben. Und dann der Umzug in die Einrichtung, der den Menschen auch noch die gewohnte Umgebung nimmt.“ Auch die Mobilität nimmt ab, man kann sich nicht mehr so frei in der Stadt bewegen, wie man es gewohnt ist. „Ein Bewohner hat es mal so ausgedrückt: ‚Das Leben im Pflegeheim ist wie ein offener Vollzug. Man kann zwar rausgehen. Aber eigentlich kann man es nicht.‘“ Oft kommen dann Depressionen ins Spiel. Vor allem in Kombination mit Demenz eine gefährliche Mischung, die häufig zum völligen Rückzug führt. „Es dauert dann oft lange, bis die Menschen im Gespräch auftauen“, so Utz. Demenz sei ein großes Angstthema. „Entweder merken die Menschen, dass sie selbst dement werden und fühlen sich damit allein. Oder die Mitbewohner sind dement und es fehlen Gesprächspartner.“
Die Gespräche, doch auch die Gottesdienste, wirken positiv gegen die Einsamkeit. Deshalb bietet Ralph Utz Gottesdienste meistens mit Abendmahl an: „Dann haben die Menschen gleich vier Berührungspunkte mit Blickkontakt. Bei der persönlichen Begrüßung, wenn sie sich gegenseitig den Friedensgruß zusprechen, bei der Austeilung des Abendmahls und zum Schluss noch bei der Verabschiedung. Das sind oft mehr und intensivere Kontakte, als sie sonst den ganzen Tag haben.“ Seiner Erfahrung nach denken alte Menschen meistens sehr ökumenisch. Ein katholisches Pendant hat der Altenheimseelsorger nicht, alle Menschen seien zu seinen Gottesdiensten und Gesprächsangeboten eingeladen, ganz unabhängig von Konfessionen. Erstaunlich häufig entwickeln sich auch Gespräche über den Glauben, auch bei Menschen, die von Kirche erst mal nichts wissen wollen. „Wenn es gewünscht ist, lese ich aus der Bibel vor. Das evangelische Pastorale habe ich auch immer dabei.“
Wenn es ans Sterben geht, wird die Einsamkeit oft besonders akut. Früher, so Utz, hätten Menschen am Bett gesessen bis zum Ende. „Heute ist dafür im Pflegealltag ja gar keine Zeit mehr.“ Auch die Pfarrperson in der zuständigen Kirchengemeinde könne das nicht leisten. „Zu viele verschiedene Dinge zu tun“, weiß Utz aus seiner eigenen Zeit im Gemeindedienst. Um so wichtiger, dass es Stellen wie die von Ralph Utz gibt. „Es werden im Moment so viele Stellen gestrichen. Wer weiß, was mit meiner Stelle passiert, wenn ich in spätestens fünf Jahren in den Ruhestand gehe.“ Vor allem mit Blick auf die Regionalisierung von kirchlichen Angeboten macht ihm das Sorgen. Denn Menschen in Einrichtungen können lange Wege häufig nicht zurücklegen, haben die Angebote aber oft besonders nötig. „An den Entwicklungen der nächsten Jahre wird man sehen, wie diakonisch Kirche wirklich ist“, so Ralph Utz.
Hier findet ihr mehr Projekte und Veranstaltungen gegen Einsamkeit im Dekanat Coburg.