Ein Vierteljahrhundert gelebte Gemeinschaft: Der Gottesdienst unterm Regenbogen in Neustadt bei Coburg feierte Jubiläum.
Was 2001 als „Behinderten-Gottesdienst“ für die Region Neustadt begann, ist heute ein fester Bestandteil des kirchlichen Lebens im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Coburg: der Gottesdienst unterm Regenbogen. Seit 25 Jahren bringt er Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten zusammen und lädt dazu ein, Glauben und Gemeinschaft auf besondere Weise zu erleben. Das Jubiläum wurde mit einem festlichen Gottesdienst mit Abendmahl in der Kirche St. Georg in Neustadt bei Coburg gefeiert.
Im Anschluss kamen die Besucherinnen und Besucher im Gemeindehaus in der Schulstraße bei Bratwürsten im Schlafrock, Kaffee und Kuchen zusammen. Dabei blieb Zeit für Begegnungen, Gespräche und ein fröhliches Miteinander.
Ein Gottesdienst, der Menschen verbindet
„Von Anfang an war der Regenbogengottesdienst sehr gut besucht“, berichtete die ehrenamtliche Mitarbeiterin Beate Großmann. „Zu den Gottesdiensten kommen regelmäßig etwa 80 bis 100 Menschen. Darunter sind viele Beschäftigte der Wefa, Bewohnerinnen und Bewohner verschiedener Wohnheime im Dekanat Coburg und ihre Angehörigen. Auch zahlreiche Seniorinnen und Senioren sowie einige Konfirmandinnen und Konfirmanden gehören zu den Gästen.“
Was zunächst viermal im Jahr stattfand, wird inzwischen zweimal jährlich gefeiert. Die Gottesdienste werden in einfacher Sprache gestaltet, sodass möglichst viele Menschen die Botschaft verstehen, mitfeiern und sich als Teil der Gemeinschaft erleben können. Pfarrerin Lisa Meyer zur Hörste und Diakon Matthias Ernst gestalteten den Jubiläumsgottesdienst gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Regenbogenteam.
Wie der Gottesdienst zu seinem Namen kam, ist eine Geschichte aus den Anfangsjahren: Bei einem Preisausschreiben konnten die Besucherinnen und Besucher über verschiedene Namensvorschläge abstimmen. „Gottesdienst unterm Regenbogen“ setzte sich dabei durch. Der Name steht bis heute für Vielfalt, Zusammenhalt und ein Miteinander, in dem jeder Mensch willkommen ist.
Gemeinsam sind wir stark
Das Jubiläum stand unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“. Die Menschen, die da sind, sind ganz unterschiedlich. Wir sind verschieden und das ist gut so. Danke, dass wir alle hier sind.“ Diese Worte zu Beginn des Gottesdienstes brachten die Botschaft des Tages auf den Punkt: Jeder Mensch ist willkommen und gehört dazu.
Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Kinderchor und vom Posaunenchor begleitet. In der Ansprache erzählte Pfarrerin Lisa Meyer zur Hörste eine Geschichte von verschiedenen Tieren, die gemeinsam einen großen Felsbrocken bewegen müssen, der ihnen den Weg zur Wasserstelle versperrt. Erst als alle zusammenhelfen und jeder seine Fähigkeiten einbringt, gelingt es ihnen. Auch die Fische, die zunächst glauben, nicht helfen zu können, tragen schließlich eine wichtige Botschaft weiter: Nur gemeinsam sind wir stark.
„Jeder Mensch bringt eigene Fähigkeiten mit. Wir müssen nicht alle dasselbe können, um etwas gemeinsam zu schaffen. Entscheidend ist, dass wir füreinander da sind und jeder seinen Platz in der Gemeinschaft hat. Für uns als Christen ist Jesus Christus dabei unsere gemeinsame Kraftquelle“, so Pfarrerin Lisa Meyer zur Hörste.
Verschieden sein und zusammengehören
Diese Haltung prägt den Gottesdienst unterm Regenbogen seit 25 Jahren. Hier ist Platz für unterschiedliche Menschen, für verschiedene Lebenswege und für die Erfahrung, angenommen zu sein. Der Gottesdienst zeigt, wie wertvoll eine Kirche ist, in der Menschen einander begegnen, miteinander feiern und erleben können: Wir gehören zusammen – und gemeinsam sind wir stark.
Das Jubiläum war deshalb nicht nur Anlass, auf ein Vierteljahrhundert zurückzublicken. Es machte auch deutlich, wie wichtig gelebte Inklusion und eine Gemeinschaft sind, in der jeder Mensch willkommen ist.
Text und Foto: Diakonin Anna-Lena Henßchen