Mit jungen Menschen den Glauben entdecken

Im Gespräch mit Religionspädagogin Hanna Kurz-Schneider und Religionspädagoge Thimo Essler anlässlich des 50. Jubiläums des Berufs

„Mit jungen Menschen zusammen sein und mit ihnen über Gott und die Welt sprechen.“ Die Antwort auf die Frage nach dem Besten am eigenen Beruf gibt Thimo Essler, Religionspädagoge im Schuldienst, ohne zu zögern. Hanna Kurz-Schneider, Religionspädagogin im Gemeindedienst, ergänzt: „Das Beste ist die Vielfalt, die in unserem Beruf steckt.“ Sie schätzt besonders die freie Wahlmöglichkeit zwischen Kirche und Schule in ihrem Beruf.

Der Beruf Religionspädagog:in bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern wird in diesem November 50 Jahre alt. Und er ist in der Tat vielfältig: Religionspädagog:innen können in zwei völlig verschiedenen Bereichen tätig sein: Als Lehrkräfte für Religion an Schulen oder im Gemeinde- bzw. Dekanatsdienst. Sie können sich für eins entscheiden oder auch beide Felder mischen. Auch ein Wechsel während der beruflichen Laufbahn ist nicht ungewöhnlich. Hanna Kurz-Schneider, die in der Coburger Pfarrei unter der Veste Familien- und Konfirmandenarbeit macht, war vorher einige Jahre in der Schule. Thimo Essler hingegen ist schon immer im schulischen Einsatz. Seit rund zehn Jahren unterrichtet er an einer Berufs- und an einer Wirtschaftsschule in Coburg Religion. Beide lieben ihren Beruf. 

„Besonders stolz bin ich auf besondere Momente, die ich mit den Schülern gemeinsam schaffe. Dieses Schuljahr waren wir zum Beispiel einen Tag mit einer neunten Klasse zum Helfen bei der Vesperkirche in Coburg dabei. Das war etwas ganz Besonders“, so Thimo Essler. Auch Hanna Kurz-Schneider betreut innovative Projekte in der Pfarrei. So hat sie zum Beispiel eine Kinderspielkirche zur Erprobung ins Dekanat geholt und eine Trauertasche für Familien mit kleinen Kindern entwickelt. Für die Arbeit im Gemeindedienst hat sie sich bewusst entschieden. „Die Arbeit ist noch abwechslungsreicher und mit meinem familiären Alltag einfacher zu verbinden. Jede Woche ist anders, es ist viel Schreibtischarbeit dabei, aber ich begegne auch ganz vielen Menschen. Und ich liebe es, mit Kindern den Glauben zu entdecken.“ 

Sie ist durch ihre eigene ehrenamtliche Tätigkeit in der Evangelischen Jugend zu ihrem Beruf gekommen. Einer der Jugendreferenten bei der EJ Bamberg war Religionspädagoge und wurde ihr zum Vorbild. Im Lauf des Studiums haben noch viele weitere Menschen sie geprägt. Allen voran Professorin Renate Wind von der Evangelischen Hochschule Nürnberg. (EVHN) „Sie hat gelehrt, dass der Einsatz für den Nächsten immer eine politische Komponente hat“, so Hanna Kurz-Schneider. Doch auch die feministische Perspektive von Professorin Beate Hofmann, für die die hohe Qualität von Bildung besonders wichtig war, begleitet die Religionspädagogin bis heute.

Für Thimo Essler war der Weg in den Beruf ein anderer. Er ist nicht kirchlich sozialisiert, hatte aber als Jugendlicher Kontakt zu einem Pfarrer, der ihn beeindruckt hat. Als er diesen Jahre später wieder traf, schlug er ihm Religionspädagogik als Studienfach vor. An der EVHN fühlte er sich gleich wohl. „Als die Studiengangsleitung mich mit Namen ansprach, obwohl sie bis dahin nur ein Bild von mir in den Bewerbungsunterlagen gesehen hatte, da wusste ich: ‚Hier will ich bleiben.‘“ Ein richtiges Vorbild hat er nicht. Für ihn ist die menschliche Komponente im Unterricht besonders wichtig. „Religionsunterricht ist auch immer Seelsorge.“

Beide haben Wünsche für die nächsten 50 Jahre Religionspädagogik: „Ich wünsche mir, dass unser Beruf sichtbarer wird. Alle Berufsgruppen mit ihren besonderen Fähigkeiten sollten gleich wertgeschätzt werden. Dass wir dieses Jubiläum feiern, freut mich daher ganz besonders“, so Hanna Kurz-Schneider. Dem kann sich Thimo Essler anschließen. Innovative Ideen, neue Projekte: Seiner Meinung nach gibt es schon viele gute Formate, um Menschen im kirchlichen Umfeld anzusprechen. Davon wünscht er sich in Zukunft noch mehr – und die Berufsgruppe der Religionspädagog:innen kann hierzu viel beitragen. „Denn es ist Teil unserer Berufsidentität, eine Kirche der Orte zu leben.“