Projekt „Trauer & Trost – Materialtasche für Familien mit trauernden Kindern“ gewinnt Familienkarussell der Evangelischen Kirche Deutschland
Die Freude ist groß trotz des belastenden Themas, das hinter dem Projekt „Trauer & Trost“ steckt: Pfarrerin Esther Goldammer, Alexandra Ludwig und Religionspädagogin Hanna Kurz-Schneider aus dem Evang.-Luth. Dekanat Coburg sind vom Familienkarussell „Familie leben“ der Evangelischen Kirche in Deutschland ausgezeichnet worden. Unter rund 30 Einreichungen haben sie einen von wenigen Preisen gewonnen, der nun in die konkrete Umsetzung des Projekts fließt.
Das Projekt war Hanna Kurz-Schneider, Religionspädagogin in der Pfarrei Evangelisch Unter der Veste, schon lange ein Anliegen. Aus einem Trauerfall in der eigenen Familie und aus den Erfahrungen mit ihren eigenen Kindern heraus hat sich das Bewusstsein entwickelt: Im Notfall muss es schnell gehen, die Materialien müssen niedrigschwellig sein und auch eigenes Fachwissen hilft im Trauerfall nicht weiter. In der Materialtasche befinden sich neben hilfreichen Informationen zum Thema Trauer bei Kindern auch verschiedene Kinderbücher für die verschiedenen Trauerphasen, Materialien, mit denen Kinder ihrer Trauer Ausdruck verleihen können und Anleitungen für mögliche Rituale, die Eltern mit ihren Kindern ausprobieren können. „Es geht darum, Familien darin zu unterstützen, Kinder in Trauer zu begleiten und so das Familiensystem zu entlasten“, so Hanna Kurz-Schneider.
Ein Ziel des Projektes ist es, die Akteure zu vernetzen: Kitamitarbeitende können im besten Fall ebenso auf die Tasche zugreifen, wenn sie in einer Familie benötigt wird, wie die seelsorgende Person in der Kirchengemeinde, die das Trauergespräch führt. „In unseren Kitas haben wir immer wieder Fälle, in denen Familienangehörige der Kinder überraschend versterben. Bisher konnten wir nur an die Seelsorger vermitteln. Ich freue mich, dass wir bald etwas ganz Konkretes an die Hand geben können“, sagt Alexandra Ludwig, stellvertretende Leitung im Kindertagesstättenverband Coburg. Denn: Das konkrete Tun entlastet, die Kinder und auch die Eltern werden durch die Materialien und Bücher ins Handeln gebracht und das mit einem spielerischen Element. „Kinder dürfen lernen: Alle Gefühle sind in Ordnung. Und Eltern sollen nicht erst die Buntstifte suchen müssen, wenn die Kinder für den verstorbenen Opa ein Bild malen wollen“, erklärt Hanna Kurz-Schneider.
Esther Goldammer hat die Idee von Anfang an begeistert. Sie selbst ist regelmäßig in der Situation, dass Eltern sie um Unterstützung bitten, wenn die Kinder trauern. „Ich kann natürlich viele Bücher empfehlen. Aber schöner ist es, wenn die Hilfe ganz konkret wird, so wie mit dieser Tasche“, so die Pfarrerin aus der Kirchengemeinde St. Johannis in Rödental. Außerkirchlich, so Hanna Kurz-Schneider, gibt es einige Angebote. Zum Teil seien die jedoch sehr kostspielig. Die Trauertasche dagegen wird kostenlos verliehen an alle Familien, die Bedarf haben – Kirchenmitgliedschaft ist keine Voraussetzung dafür. Hanna Kurz-Schneider ist vom Projekt überzeugt. Eine Kollegin aus Würzburg, die gleichzeitig Kindertrauerbegleiterin ist, hat ihr Mut für die zeitaufwändige und umfangreiche Umsetzung gemacht. Karl-Christoph Goldammer, Vikar in der Kirchengemeinde HeiligKreuz, hat als Projekt die Öffentlichkeitsarbeit für die Trauertasche übernommen.
Die erste Tasche ist fast fertig gepackt mit allen Materialien, Tipps und Büchern und wird ab September bereitstehen, zunächst für die Pfarrei Evangelisch Unter der Veste. Die Stiftung Leben + Weitergeben hat das Projekt mit einem großzügigen Betrag unterstützt. Dank des Gewinns beim Familienkarussell kann nun eine zweite Tasche vorbereitet werden. Auch ein Fortbildungstag für Fachkräfte in den Kindertagesstätten ist in Planung.
Auf dem Foto: Das Team hinter dem Projekt Trauertasche: Esther Goldammer, Alexandra Ludwig und Hanna Kurz-Schneider. Es fehlt Karl-Christoph Goldammer.