Offene Augen, offene Ohren, offene Herzen

Kindertagesstätte Tausendfüßler in Wüstenahorn feiert 30. Jubiläum

120 Kinder aus 19 verschiedenen Nationen betreten jeden Tag die Räume der Kita Tausendfüßler. Und das schon im 30. Jahr. 1996 ist die damals viergruppige Einrichtung in Wüstenahorn entstanden, vor 14 Jahren der Anbau für die Krippe dazugekommen. Drumherum – dort, wo heute viele Wohnblöcke stehen – damals noch wenig. Ursprünglich geplant als gänzlich Offenes Konzept lebt die Einrichtung heute vor allem eine Offene Haltung. 

„Unsere Kitafamilie ist geprägt durch Vielfalt und Toleranz. Wir erleben jeden Tag fröhliche und auch traurige Momente und versuchen, diesen echt zu begegnen“, beschreibt Christina Dietze, Einrichtungsleitung in der Kita Tausendfüßler. Die Mitarbeitenden untereinander, im Kontakt mit den Kindern, aber auch mit den Eltern. Hier sei die Sprachbarriere manchmal im Weg. Doch nicht unüberwindbar: „Wir versuchen es einfach immer weiter.“ Das evangelische Konzept, so die Einrichtungsleitung, sei wichtig für die Kita. „Die meisten Eltern interessieren sich erst Mal nicht so sehr für die Konfession der Einrichtung. Sie suchen etwas in der Nähe, wo ihre Kinder sich wohlfühlen. Wir gehen offen mit den verschiedenen Religionen um“, erklärt sie. Regelmäßige Kirchenbesuche gehören ebenso mit zum Kitaalltag, wie das gemeinsame Beten. Aber wir laden die Kinder ein, auf ihre Weise mit ihrem Gott zu sprechen. Bei uns muss niemand die Hände falten.“ Kulturelles Lernen ist ebenfalls ein wichtiges Element im Kitakonzept. Fragen nach Festtagen oder Gewohnheiten in anderen Religionen treten so in den Mittelpunkt. „Wir lernen voneinander. Und kommen so miteinander in Kontakt.“

Der Kindergarten gehört zur Kirchengemeinde Johanneskirche. Antonia Walter arbeitet als Trägervertreterin in der Pfarrei Coburg West, zu der neben der Johanneskirche auch die Gemeinden Katharina von Bora, Ahorn und St. Markus gehören. Insgesamt ist sie für vier Einrichtungen in den Kirchengemeinden verantwortlich. Ursprünglich hatte der geschäftsführende Pfarrer der Pfarrei, Veit Röger, die Verantwortung für die Kindergärten. Heute fallen Personalverantwortung, Dienstbesprechungen, die Begleitung von Ausschüssen und Controlling in den Verantwortungsbereich von Antonia Walter. „Jetzt kann Pfarrer Röger wieder mehr inhaltlich in den Kitas arbeiten, zum Beispiel Andachten gestalten. Dafür war vorher nicht so viel Zeit“, so Antonia Walter. Rund 90 Mitarbeitende sind in den vier Kitas tätig. 25 davon in der Kita Tausendfüßler. Die beiden Frauen sind sich einig: Die Kita ist etwas Besonderes. Auch, weil sie sich immer wieder neu aufstellt und so Herausforderungen begegnet. Zuletzt mit zwei Konzepten, die im Rahmen des Sommerfestes vorgestellt wurden. Beim Projekt Kita digital vom Institut für frühkindliche Pädagogik hatten die Mitarbeitenden sich damit beschäftigt, wie kindgerechte Medienarbeit aussehen kann. Beim Leseprojekt Wörter.Wunder.Welten von der Irmgard Clausen Stiftung stand die Förderung der Sprachfähigkeit von Kindern im Mittelpunkt. Wie kann man Kinderbücher gut im Alltag einsetzen? Mit dieser Frage haben sich die Erzieher:innen in dem Projekt befasst. Dank der großzügigen Unterstützung durch die Koinor-Stiftung konnte die Kita einen neuen Leseraum einrichten. Beim Jubiläumsfest konnten die Gäste diesen bewundern – und selbst Bücher dazu beitragen, wenn sie wollten. 

Das 25. Jubiläum der Tausendfüßler ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Damals war nur eine kleine Rally im Freien möglich, alle Gäste mussten sich vorher testen lassen. Diesen Verlust hat die Einrichtung jetzt ausgeglichen: Eiswagen, gemeinsame Andacht, Buttonmaschine, Kinderschminken, Sommertänze, eine Schatzsuche im Sandkasten… Für jeden war etwas dabei. „Besonders gut kam die mehrstöckige Geburtstagstorte an“, so Christina Dietze. „Und die Tombola. Viele Firmen aus der Region haben uns mit Preisen und Eintrittskarten für Familien unterstützt.“

Was die beiden Kolleginnen sich für die nächsten 30 Jahre wünschen? „Dass sich die Kindergartenfamilie weiter so gut entwickeln kann, mit offenen Augen, offenen Ohren und offenem Herzen“, ist Christina Dietzes spontane Antwort.