Kirche für die Menschen vor Ort

Mit den nicht-ordinierten Mitgliedern der bayerischen Landessynode aus dem Dekanat Coburg im Gespräch 

Ende März ist die neu gewählte Landessynode der Evangelischen Kirche in Bayern in Bayreuth zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammengetreten. Mit dabei: Petra Heeb, Floristmeisterin aus Ketschendorf, und Martin Finzel, 1. Bürgermeister in Ahorn – die beiden sind die gewählten, nicht-ordinierten Ehrenamtlichen des Dekanatsbezirks Coburg in der Landessynode 2026-2032.

Für beide ist es nicht das erste Mal. Petra Heeb ist bereits zum dritten Mal mit dabei, für Martin Finzel ist es schon die vierte Amtsperiode. „Man braucht eine Zeit, um sich in die Synodenarbeit hineinzufinden, um Abläufe zu verstehen. Das ist eine ganz eigene Welt“, erklärt er seine Motivation, zum vierten Mal für die Landessynode zu kandidieren, neben seinen diversen anderen Ämtern, beispielsweise der Mitgliedschaft im Kirchenvorstand und der Dekanatssynode. 

Die Kirchenverfassung regelt die Aufgaben, die der Landessynode zukommen. Die Landessynode hat das Recht zur kirchlichen Gesetzgebung. Sie entscheidet unter anderem über den Haushaltsplan der Landeskirche und beschließt über die Ordnung kirchlichen Lebens – kurz, sie verhandelt über alle kirchlichen Angelegenheiten. Doch auch ethische oder gesellschaftliche Fragestellungen werden auf der Synode bearbeitet. 

Petra Heeb erinnert sich zum Beispiel an die Zeit der Flüchtlingsströme 2015. Das war mitten in ihrer ersten Amtsperiode. „Das waren sehr turbulente Zeiten. Da konnten wir großzügig unterstützen.“ Doch auch damals standen schon die großen Strukturfragen in den Startlöchern: Immobilien, Personal, regionale Zusammenarbeit. Themen, die für die aktuelle Landessynode eine hohe Aktualität und Relevanz haben.

Übers Geld sprechen – auch das war schon immer Aufgabe der Landessynode. Martin Finzel ist der stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses. „Die sinkenden Mitgliederzahlen haben natürlich finanzielle und auch strukturelle Auswirkungen“, so Finzel. Die beiden Synodalen sind sich einig: Kirche hat nach wie vor eine große Bedeutung für die Gesellschaft. „Natürlich hat sich die Gesellschaft verändert, doch Kirche ist nach wie vor wichtig“, fasst Petra Heeb zusammen. Bei der Kindererziehung, im Bereich Seniorenarbeit, in wichtigen Umbruchsituationen im Leben – Kirche ist eine wichtige Partnerin für die Menschen vor Ort, auch im demokratischen Konstrukt. „Ohne Kirche fehlt ein Ort des Austausches. Und sie ist eine moralische Instanz“, erklärt Martin Finzel. 

Deshalb sind beide davon überzeugt, dass bei aller Notwendigkeit zu sparen und zu reduzieren die Möglichkeit für kirchliche Arbeit vor Ort nicht aufgegeben werden darf. Kirchliche Orte, auch oder gerade im ländlichen Raum, sind wichtige und geschützte Orte für die Menschen. „Kirche muss immer für die Menschen vor Ort sein“, so Finzel. Ein großes Thema der aktuellen Landessynode sind die Beschlüsse zur sogenannten Gebäudebedarfsplanung: Welche Gebäude in kirchlicher Hand werden zukünftig von der Landeskirche finanziell unterstützt? Kirchengebäude, Pfarrhäuser, Gemeinderäume – alles steht auf dem Prüfstand. Wird ein Gebäude nicht weiter finanziert, dann braucht die Kirchengemeinde ein anderes Konzept: Verkaufen, Umnutzen, Vermieten oder eine alternative Finanzierungsidee umsetzen. „Ich ziehe die Umnutzung dem Verkauf vor“, betont Martin Finzel. „Wir haben ja auch eine Verantwortung für das Vermögen, das diese Gebäude darstellen.“ Es gibt bereits eine Kooperation mit dem Evangelischen Siedlungswerk und Gespräche mit der Stiftung zum Erhalt denkmalgeschützter Kirchen, die in der letzten Landessynodentagung neu gegründet wurde. Hier ist strategisches Denken gefragt – etwas, was Petra Heeb und Martin Finzel, ebenso wie die 106 weiteren gewählten und berufenen Mitglieder der Landessynode, beherrschen müssen. Auch Petra Heeb ist vielfach engagiert – zum Beispiel im Unterausschuss ländliche Räume der Landeskirche. „Denn es ist ein Unterschied, ob Sie in einer Kirchengemeinde auf dem Land oder in der Stadt leben“, erklärt sie. 

Im Dekanat Coburg spielen die konkreten strukturellen Fragen nach Gebäuden und Personal, mit denen sich die Landessynode auseinandersetzt, eine große Rolle. Denn das, was die Landessynode beschließt, muss vor Ort umgesetzt werden. „Wir packen die Dinge hier an“, so Petra Heeb. Die Verbindung zwischen der Landessynode und dem Netzwerk zu Hause, das ist ihr besonders wichtig. Martin Finzel wünscht sich für die kommende Amtsperiode, dass neben den strukturellen Themen auch weitere Themen auf den Tisch kommen. Glaubensfragen, Spiritualität, Antworten auf die großen Fragen im Leben – das gehört für ihn ebenfalls in die Landessynode. „Wir können nicht immer nur über Strukturen sprechen. Wenn wir uns nur noch selbst verwalten, dann können wir uns auch gleich abschaffen.“