Ehrenamtliches Engagement für Kirche

Das Ehrenamtlichen-Team in Bad Rodach
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Wie ein Team aus Ehrenamtlichen das gemeindliche Leben in Bad Rodach während der Vakanz organisiert

Acht Kirchengemeinden, ein gemeinsames Pfarramt, drei Pfarrstellen – aber keine Pfarrperson. Was auf den ersten Blick hoffnungslos klingt, sorgt in Bad Rodach für ein besonderes Engagement. Angela Wölfert und Helga Bießenecker, beide im Kirchenvorstand der Pfarrei Bad Rodach, engagieren sich gemeinsam mit anderen für ihre Kirche ehrenamtlich und zwar weit über das reguläre Maß hinaus.

„Die Kirchenvorsteher haben schon lange regelmäßige Friedensgebete organisiert. Bad Rodach ist eine sehr kleinteilige Pfarrei mit acht Kirchengemeinden, da kann ein Pfarrer nicht überall zugleich sein“, erklärt Angela Wölfert, die bis vor einigen Jahren als Pfarramtssekretärin in Bad Rodach tätig war. Auch die Urlaubszeit im August konnte das ehrenamtliche Team so abdecken. Doch seit der letzte verbleibende Pfarrer im vergangenen Sommer die Pfarrei verlassen hat, sind die Ehrenamtlichen noch mehr gefragt.

Ronald Henke, Pfarrer in Unterlauter, vertritt zwar während der Vakanz die Pfarramtsführung. Doch für Gottesdienste bleibt da keine Zeit. Einige kann Heinrich Arnold übernehmen, Pfarrer im Ruhestand, der einige Stunden in der Pfarrei tätig ist. Die Konfirmandenarbeit übernimmt Karl-Heinz Hillermeier, Pfarrer im benachbarten Großwalbur. Doch Gemeinde ist mehr als der sonntägliche Gottesdienst und Konfistunden. „Wir haben uns die Geburtstagsbesuche bei den älteren Gemeindemitgliedern aufgeteilt“, beschreibt Helga Bießenecker, „ebenso wie die Organisation des Seniorenkreises und das Geburtstagscafé für Menschen ab 60. Das ist unsere einzige Chance, um unsere Gemeinde in der Vakanzzeit zusammenzuhalten!“ Die Pfarrei ist in einer besonderen Situation: Das gemeinsame Pfarramt gibt es erst seit wenigen Jahren. „Die Großgemeinde muss noch zusammenwachsen. Die Gemeindemitglieder müssen sich noch daran gewöhnen, dass es Angebote an verschiedenen Orten für sie gibt und nicht mehr nur in der eigenen Dorfkirche“, so Helga Bießenecker. Um so wichtiger war es den beiden Frauen, das bestehende Angebot zu erhalten – und um gottesdienstliche Angebote zu ergänzen.

„Wir haben an einer Art Pilotprojekt von der Landeskirche teilgenommen und in sechs Einheiten gelernt, wie wir eine gute Andacht vorbereiten können“, so Angela Wölfert. Fünf Personen haben an der Schulung teilgenommen, an zwei weitere Kolleginnen haben die Ehrenamtlichen ihr Wissen bereits weitergegeben. Nun bereiten sie regelmäßig gottesdienstliche Angebote vor – ganz ohne Pfarrperson.

Die erste Andacht war dann direkt ein voller Erfolg – eine Herbstandacht an einem Abend im Oktober, mit Tee und Gebäck und das vor vollem Haus. Auch der Kirchweihgottesdienst für Familien mit Pizza aus dem Pizzaofen am Pfarrhaus in Elsa kam sehr gut an bei der Gemeinde.

Die beiden Frauen hören häufig von Besuchern der Veranstaltungen, dass sie es toll finden, was das Ehrenamtlichen-Team auf die Beine stellt. „Die Menschen kommen gern und machen auch mit“, freut sich Helga Bießenecker. Für die beiden Frauen ist ehrenamtliches Engagement selbstverständlich – auch ohne Vakanz. Denn die Hauptamtlichen wechseln die Stelle, doch die Gemeinde bleibt. „Wir stecken schon viel rein, aber es macht auch viel Spaß“, betont Angela Wölfert. Ihr größter Wunsch für die Zukunft? Da sind sich die beiden Frauen einig: „Dass wir weiterhin viele tolle Menschen finden, die sich für unsere Kirche ehrenamtlich engagieren wollen. Und dass die Pfarrstellen wieder besetzt werden. Bis es so weit ist, werden wir den Kopf nicht in den Sand stecken und weiter Hoffnung verbreiten.“